Abstract:
Albert Camus Roman L’Étranger erschien 1942. Darin erzählt der Protagonist Meursault in der Ich-Perspektive über sein Leben. Die Episode beginnt mit der Nachricht über den Tod seiner Mutter, die ihn scheinbar nicht gross kümmert. Bei der Beerdigung weint er nicht und sitzt dem Ganzen gleichgültig bei. Er geht am nächsten Tag eine Liebesbeziehung mit Marie ein. Meursault lebt von Tag zu Tag, er erzählt von seiner Arbeit, seinen Nachbarn und Freunden; kurz, bündig ohne gross auszuschmücken und gleichgültig. Schliesslich kommt es bei einem Ausflug an den Strand mit seinen Freunden zu einem unglücklichen Zwischenfall: Meursault erschiesst in einem zufälligen Zusammentreffen, ohne grosse Erklärung, bzw. weil in die Sonne blendete (seine eigene Worte), einen Araber der zuvor seinen Freund provozierte. Im zweiten Teil des Buchs sitzt Meursault im Gefängnis und wartet auf seinen Gerichtstermin und seine Verurteilung. Der Staatsanwalt versucht als emotionslosen, kalten Mörder darzustellen, während der Verteidiger darauf hinweist, dass seine vorherigen Taten (insbesondere die Beerdigung seiner Mutter) nichts mit dem Mord zu tun hatte. Mersault kann beiden nicht gross widersprechen und kümmert sich nicht gross um das Ganze, so dass er zwischenzeitlich sogar im Gericht einschläft. Schlussendlich wird er zum Tode durch die Guillotine verurteilt. Meursault lehnt jede Annäherung an Gott ab; er erkennt zwar an, dass er von Gesetzes wegen Schuldig ist, doch ist sich keiner Sünde bewusst. Somit akzeptiert er auch sein Tod und kommt zum Gedanken, dass es ihn nicht gross kümmern wird, was seine Freundin Marie, seine Freunde oder andere von ihm denken werden. Er ist schliesslich tot und dann kümmert in dies alles nicht. Er sieht der grossen Gleichgültigkeit der Welt entgegen.
Raskolnikov und Meursault (Dostojewski und Camus):
Einige Similaritäten lassen sich zwischen den beiden Romanen Schuld und Sühne und L’Étranger finden. Beide Protagonisten begehen im ersten Teil des Buchs einen Mord aus, für die Gesellschaft, unerklärlichen Gründen. Im zweiten Teil der jeweiligen Bücher lassen sich einige Differenzen finden: Während Raskolnikov mit Gewissenskonflikten kämpft und den Mord nicht los wird (er sagt einmal, dass er nicht die Pfandhändlerin umgebracht hat, sondern sich selbst), sieht Meursault dem Ganzen gleichgültig entgegen; er akzeptiert sein Schicksal, gewöhnt sich daran und kümmert sich nicht darum. Abgesehen von dem Plot gibt es auch viele Ähnlichkeiten in den Nebenfiguren und Erzählungen: Eine loyale Freundin, eine Mutter die stirbt, und ein Feind/ Freund, der seine Freundin schlägt.
Der grösste Unterschied zwischen den beiden Büchern ist sicherlich die Erzählweise: Während Camus die Geschichte in der Ich-Perspektive schildert, wird Raskolnikov von einem Allwissenden Erzähler begleitet. Interessant: Dostojewski schrieb den Roman zuerst ebenfalls in der Ich-Perspektive und schrieb ihn erst später um zu einem Erzähler in Drittperson. Meursault hat kaum ein Motiv für seinen Mord; selbst erklärt er vor dem Gericht, dass es wegen der Sonne war. Raskolnikov auf der anderen Seite hat viele Motive, von denen nicht ganz klar wird, welches ausschlaggebend war (womöglich war es die Kombination von allen): Seine Theorie von Menschen zweier Klassen, Utilitarismus, d.h. um Geld zu besorgen für sich oder für seine Familie, die Hitze, seine kleine Wohnung -> war er psychisch krank?
Weitere Untersuchungen zwischen Similaritäten der beiden Romane, d.h. inwiefern Camus auf Dostojewski zurückgreift, können hier gefunden werden.
Fazit:
Meursault lebt von Tag zu Tag, er ist ein Hedonist. Nichts kümmert ihn, was man auch an seinem Umgang mit seinen Freunden sieht: Er ist ehrlich, er hat keinen Grund eine Facette aufzulegen, da es für ihn keine Rolle spielt. Selbst als seine Freundin ihn fragt ob er sie heiraten möchte, antworter er: „Wenn Du möchtest. Mir ist das egal.“ Meursault ist ein Mensch ohne Ambitionen und es scheint keine Tiefe in seiner Seele zu geben. Er ist ein Niemand, und er akzeptiert das. Meursault lebt geistlich ein ganz anderes Leben wie der gewöhnliche Mensch; kaum jemand scheint ihn zu verstehen (wie im Gericht klar wird) – er ist ein Fremder in der Gesellschaft.

