Abstract:
Rousseaus Abhandlung erschien 1755 und war eine Antwort auf die von der Académie de Dijon gestellte Frage „Welches ist der Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen, und ist sie durch das natürliche Gesetz gerechtfertigt?“ Rousseau unterscheidet zwischen zwei Arten von Ungleichheiten: 1) die natürliche/ physische Ungleichheit; die Ungleichheit, die von Natur aus eingerichtet ist, besteht aus: Alter, Gesundheit, Kräfte, Eigenschaften des Geistes. 2) die gesellschaftliche/ politische Ungleichheit: hängt von einer Art Übereinkunft ab und kommt durch Zustimmung oder Billigung der Menschen zu Stande. Besteht in Privilegien, d.h. Reichtum, Ehre, Macht etc. auf Kosten von anderen Menschen. Suchen nach dem Ursprung der 1) natürlichen Ungleichheit ist gemäss Rousseau nicht möglich (per Definition). Rousseau beschreibt, dass viele Philosophen vor ihm, den Fehlschluss des Anachronismus begingen, indem sie aktuelle gesellschaftliche Konzepte und Begriffe auf den „wilden Menschen“ anwendeten.
Rousseau will mit seiner Abhandlung den Ursprung der Ungleichheit, die der politischen Gesellschaft zu Grunde liegt und durch sie missbraucht wird, erkunden.
Erster Teil: Der Naturzustand
Physischer Unterschied:
Die physische Ungleichheit besteht aus der Ungleichheit, die von Natur aus geschaffen ist. Das ist etwa das Alter, die Gesundheit, Stärke, Kraft und Eigenschaften des Geistes. Rousseau beschreibt, dass diese beim wilden Menschen weitaus weiter ausgeprägt waren als beim zivilisierten Mensch. Dies, weil er mehr darauf angewiesen war, sie zu gebrauchen: Er war gezwungen, sich mit anderen Tieren zu messen, dabei sah er auch, dass er diese zwar nicht immer an Stärke, jedoch immer an Geschicklichkeit übertrifft. Der Wilde lernt, seine Eigenschaften zu vervollkommnen, er lernt, sich nicht zu fürchten und er lernt, seine Geschicklichkeit zu perfektionieren.
Der moderne Mensch im Gegensatz, wurde gemäß Rousseau, durch die „Vergesellschaftung“ zum Sklaven: Er wird schwach, furchtsam, kriecherisch und seine weibische Lebensweise schwächt auch seine Kraft und sein Mut. Genauso steht es auch mit Tieren die der Mensch domestiziert hat: Esel, Pferde, Katzen oder Stiere, sind allesamt in der Wildnis stärker gebaut, als sie es als Haustier sind. Auch die meisten Leiden hat sich der moderne Mensch selbst zuzuschreiben: gekünstelte, ungesunde Speisen der Reichen, schlechte Nahrung der Armen, Ermüdungen und Erschöpfungen des Geistes, Sorge und Nöte in allen Ständen, sind Beispiele die er anführt und die vermieden hätten können, wenn die Menschen einfach und gleichförmig wie Wilde lebten.
Rousseau schliesst schliesslich folgendes Zitat an, dass den Unterschied zwischen dem wilden und zivilisierten Menschen verdeutlicht:
- „Last dem zivilisierten Mensch die Zeit alle seine Maschinen um sich zu versammeln, so wird er zweifelslos den wilden Menschen überwinden; wenn man aber die beiden nackt gegenüber stellt, werde man bald erkennen, welchen Vorteil es hat, alle seine Kräfte unaufhörlich zur Verfügung zu haben, um auf jedes Ereignis vorbereitet zu sein.“
Metaphysischer, Gesellschaftlich-seelischer Unterschied:
1. Begierde/ Wille:
Während Tiere rein von der Natur gesteuert sind, d.h. instinktiv, sind die Menschen zwar teils dieselbe „Maschine“ von Natur aus, können jedoch trotzdem frei handeln. Das Tier kann nicht von der Regel abweichen, während es der Mensch hingegen, oft zu seinem eigenen Schaden, tun kann. So lässt sich der Mensch zu ausschweifenden Exzessen hinreißen, weil der Geist die Sinne verdirbt und der Wille noch spricht, während die Natur schweigt. Während ein Tier nach einigen Monaten das ist, was es immer sein wird, hat der Mensch der Möglichkeit sich das Leben lang zu vervollkommnen. Dies könnte auch die Ursache von Geistesschwäche sein denn: Der Mensch fällt z.B. im Alter weit zurück, von all dem was er erworben hat, während das Tier, das nichts erworben hat und somit nichts zu verlieren hat, immer seinem Instinkt treu bleibt.
Die Begierden des Wilden gehen nicht über seine physische Bedürfnisse hinaus; er hat keine Vorstellung von anderen Bedürfnissen. Die Fortschritte des Geistes, stehen also im Verhältnis zu den Bedürfnissen, welche der Mensch (aus der Natur) empfängt. Der Wilde schaut nicht in die Zukunft, weil er es nicht braucht für seine bescheidenen Bedürfnisse. Seine Seele gibt sich bloss dem Gefühl des gegenwärtigen Daseins.

2. Sprache:
Rousseau kommt auf die Wichtigkeit der Erfindung der Sprache zu sprechen, die den Geist über Jahrtausende weiterentwickelte, damit er zu den Leistungen fähig wird, die wir heute kennen. 1) Wie entstand das Bedürfnis nach Sprache/ Wieso wurde Sprache nötig? Die Menschen hatten kein Bedürfnis sich untereinander zu verbinden. Eine These wäre, dass die Sprache in der Familie entstanden ist. Rousseau lehnt dies jedoch ab, da zu der Zeit der Wilden nicht von Familien gesprochen werden kann; Mütter stillten ihre Kinder bis sie das Bedürfnis danach nicht mehr hatten, danach waren sie auf sich allein gestellt, und da es keine Anhaltspunkte gab, ist es gut möglich, dass sie nach geraumer Zeit die eigenen Kinder nicht mehr erkennten. 2) Wie konnte Sprache zu einer festen Einrichtung werden? Ein Dilemma entsteht: Wenn Sprache notwendig für Denken ist, dann hätten die Menschen hingegen ebenso notwendig Denken müssen, um die Sprache zu erfinden. Die Sprache des Menschen ist der Schrei der Natur. Menschen schrien, wenn durch ihre Instinkte eine Gefahr, ein Schmerz oder Sonstiges hervorgerufen wurde. Mit dem Bedürfnis/ der Vorstellung nach Verbindung untereinander, nahmen diese Ausdrücke präzisere Formen an. Dabei beschrieben sie zuerst die physischen Dinge, die sie erlebten. Die ersten Wörter, lösten noch eine weit größere Anzahl von Gedanken aus, sie mussten für (heute) ganze Sätze gestanden haben. Für die Erfindung der Grammatik mussten Zeitformen und streng abstrakte Wörter wie Adjektive erfunden werden, die eine hohe Geistesanstrengung beanspruchen, da diese schließlich naturwidrig sind. Das Problem das mit der Frage nach dem Ursprung von abstrakten Wörter entsteht, kann Rousseau nicht lösen: Wie konnten die Menschen Wörter wie „Geist, Materie oder Substanz“ erfinden, wenn es weder Vorstellung darüber gibt noch Vorbilder in der Natur dafür gibt; sie sind rein metaphysisch. Rousseau verweist auf die Unmenge an Zeit die für die Entwicklung der heutigen Sprache hatte notwendig sein müssen, und lässt das Problem offen mit einer Frage stehen: Was war notwendiger (oder zuerst), die Errichtung einer Gesellschaft nach der Erfindung der Sprache, oder die Erfindung der Sprache nach der Einrichtung der Gesellschaft?
3. Naturzustand: Wieso der Mensch nicht schlecht ist, sondern gut:
Menschen im Urzustand, die Wilden, konnten, aufgrund der fehlenden moralisch-gesellschaftlichen Beziehung, weder gut noch böse sein; ausser Laster und Tugenden werden so verstanden, dass sie mit dem Individuum durch Selbsterhaltung verbunden sind. Rousseau stellt sich damit klar gegen Hobbes, der die Auffassung teilt, dass die Menschen von Grund aus böse sind. Seine Kritik zu Hobbes besteht aus folgendem: 1) Im Naturzustand beeinträchtigt die Sorge um die eigene Erhaltung am wenigsten andere Menschen, weshalb dieser auch am nächsten bei dem Frieden sei; Hobbes behauptet genau das Gegenteil, nämlich, dass im Naturzustand notwendigerweise ein Krieg „alle gegen alle“ herrscht. Dies tut er, weil er Bedürfnisse und Leidenschaften in den Wilden hineinlegt, die erst durch die Zivilisierung entstanden sind (i.e. Vertrauen etc.). Wenn der Wilde seine Vernunft nicht benutzt, wie Hobbes und andere Rechtsgelehrte behaupten, dann entwickelt er auch nicht die Fähigkeiten, um zu missbrauchen, d.h. um böse zu sein. 2) Rousseau spricht der Tugend des Mitleids etwas ursprüngliches, natürliches zu. Mitleid mussten die Wilden, da ihre Beziehungen inniger waren, und sie dazu noch keine Eigenliebe verspürten, da sie die Vernunft noch nicht benutzten, viel stärker empfunden haben als der moderne Mensch. Der moderne Mensch kann, dank der Vernunft, verweigern, sich mit einem anderen Menschen zu identifizieren, der ermordet wird, und dadurch kann er ruhig schlafen; diese Gabe hatte der Wilde nicht. Mitleid vertritt im Naturzustand die Gesetze, die Sitten und Tugenden; Mitleid mässigt die Selbstliebe und führt dazu, dass wir, ohne zu überlegen, denjenigen Hilfe leisten, die wir leiden sehen, somit trägt es zur Erhaltung der gesamten Gattung bei.
4. Liebe:
Schließlich kommt Rousseau auf das Gefühl und die Leidenschaft der Liebe zu sprechen. Er unterscheidet dabei zwei Arten von Liebe: 1) Das Physische, d.h. das Begehren, sich mit dem anderen Geschlecht zu vereinigen. 2) das Geistig-Seelische, d.h. das, was diese Begehrung festlegt und es ausschließlich an einen Gegenstand bindet. Die 2) Art von Liebe ist dabei künstlich, durch die Gesellschaft entstanden, es beruht auf bestimmten Begriffen der Schönheit oder Errungenschaft. Für einen Wilden muss diese Art von Liebe beinahe nichtig sein, da er nichts „schönes“ dergleichen kennt, da er keine Vergleiche hat und, da er nicht die Möglichkeit für außerordentliche Errungenschaften hat; dem Wilden ist jede Frau recht. Rousseau spricht davon, dass viele Auseinandersetzungen in der Zivilgesellschaft, aus der 2) Art von Liebe entstehen und dass es ironisch sei, dass die Absenz dieser Liebe bei den Wilden, oft der Grund ist, wieso ihnen eine Rücksichtslosigkeit und Brutalität zugeschrieben wird.
Zweiter Teil: Vom Naturzustand zum Gesellschaftsvertrag.
Rousseau beginnt den zweiten Teil seiner Abhandlung mit dem berühmt gewordenen Satz:
- Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und auf den Gedanken kam zu sagen „Das ist mein“ und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Begründer der zivilen Gesellschaft.
Rousseau versucht in diesem zweiten Teil seiner Abhandlung zu rekonstruieren, wie es vom Naturzustand zu der gegenwärtigen Ungleichheit kommen konnte.
Von Bewusstsein bis Eigentum:
Zuerst wurde sich der Mensch seiner Existenz bewusst. Die erste Sorge war seine Selbsterhaltung. Der Mensch musste sich, je nach Klima, Land und Umständen der Natur, anpassen, um seine Selbsterhaltung sicherzustellen. Dies führte zu einer Aufmerksamkeit auf die Unterschiede und zu den ersten Vergleichen: Wörter wie „gross“, „klein“, „stark“, „schnell“ etc. brachten ihm dann eine Art Reflexion bei; eine rein mechanische Klugheit. Sozial mit anderen Menschen schloss sich der Mensch nur zusammen, wenn es für die Befriedigung eines Bedürfnisses notwendig war. Sobald dieses Bedürfnis gestillt war, erlosch die Zusammenarbeit. Als die ersten Hütten gebaut wurden, entstand ein Gefühl des Zusammenlebens und Familien entstanden. Der Unterschied der Geschlechter, bis dahin kaum spürbar, nahm damit auch zum ersten Mal Form an: Die Frauen wurden häuslicher, während der Mann der Sicherung des Lebensunterhalts nachging. Nach und nach schlossen sich die umherschweifenden Menschen zusammen zu kleineren Gemeinwesen. Man sah sich öfter, Beziehungen und Liebe intensivierten sich; die Eifersucht entstand. Man begann, sich zu achten vor anderen und ein Bedürfnis nach Achtung von anderen entstand. Dies war der erste Schritt zur Ungleichheit: Wer der Schönste, Stärkste oder Beredsamste war, war der Geachtetste. Eitelkeit und Verachtung, Scham und Neid entstanden.
Entstehung von Laster:
Sobald der Gedanke nach Achtung in dem Geist der Menschen festgelegt war, beanspruchte jeder ein Anspruch darauf. So enstand auch Missachtung, die bestraft werden musste: Die Geburt von den ersten Pflichten des zivilisierten Verhaltens. Jeder, der eine Missachtung erlebte, reagierte darauf mit Racheakten. Dies war die Geburt des „bösen“, „brutalen“ Menschen. Philosophen wie Hobbes täuschten sich, diesen Menschen als Mensch im Naturzustand zu sehen, denn in Wahrheit war auch dieser Wilde bereits Jahrtausende von seinem Naturzustand entfernt. Der Mensch im Naturzustand wird vom Mitgefühl zurückgehalten, jemanden Schaden zuzufügen. Auch Locke pflegte den Grundsatz: „es kann kein Unrecht geben, wo es kein Eigentum gibt.“
Solange sich der Mensch nur Arbeiten zuwandte, die er allein, ohne das Zusammenwirken fremder Hände, bewerkstelligen konnte, lebte der Mensch frei. Das Eisen und Getreide haben den Menschen zivilisiert, und so das Menschengeschlecht in das Verderben gestürzt. Dies könnte zugleich der Grund sein, wieso Europa am weitesten und besten zivilisiert war; es ist am reichsten an Eisen und fruchtbarsten an Getreide.

Wieso wurden Eisen und Getreide zivilisiert?
Es scheint unmöglich, sich vorzustellen, dass die Menschen von sich darauf kamen, Erz aus einem Bergwerk zu fördern und durch Schmelzen Eisen herzustellen. So muss es beinahe Zufall gewesen sein: Vielleicht beobachteten Menschen, wie ein Vulkan Erz hervorbrachte und durch Lava zu schmelzen brachte; dies könnte sie zur Nachahmung animiert haben. Doch auch dann bleibt noch viel mühselige Arbeit und Mut übrig, bis zu einer Zivilisierung des Eisens.
Das Prinzip des Ackerbaus muss dem Menschen sicherlich schon früh(er) bekannt gewesen sein. Doch nutzte er es nicht, sei es weil er die technischen Mittel dazu nicht hatte, oder weil sie es gar nicht benötigten, da die Bäume, der Fischfang und die Jagd genügend Nahrung lieferten. Die Erfindung anderer Künste war notwendig, um sich dem Ackerbau zu befleißigen. Aus der Bebauung der Böden entstand das Eigentum und daraus wiederum die ersten Regeln der Gerechtigkeit.
Die Dinge hätten auch mit Eisen und Getreideanbau im Gleichgewicht bleiben können, doch gab es Stärkere und Geschicktere, die mehr Arbeit leisteten und grösseren Nutzen zogen. Von diesem Punkt aus lassen sich alle Ungleichheiten, Reichtümer, Herrscher, Kriege und vieles weitere ableiten. Der freie Mensch wurde in Ketten gelegt und so zum Sklaven gemacht: Ist er reich, benötigt er die Dienste seiner Untertanten, ist er arm, ist er auf die Unterstützung anderer angewiesen.
Vom Eigentum zur Gesellschaftsgründung:
Durch das Eigentum entstand die Ungleichheit. Sklaven und Herrscher entstanden. Arme und Reiche. Die Menschen wurden geizig, ehrsüchtig und böse. Der unabdingbare Kriegszustand entstand: Der Mensch war nicht mehr im Stande auf seinen Weg umzukehren, da er auf die unglückseligen Errungenschaften nicht mehr verzichten konnte; das Menschengeschlecht brachte sich selbst an den Rande des Ruins. Die ersten Gesetze wurden unter dem Vorwand geschlossen, um die Schwachen vor Unterdrückung zu schützen, die Ehrgeizigen im Zaun zu halten und jedem seinen Besitz zu sichern. Diese Gesetze waren es, die unabdingbar den Eigentum und die Ungleichheit für immer festlegten. Eine Gründung einer einzigen solchen Gesellschaft müssen alle anderen folgen: Denn nur durch Zusammenschluss kann man gegen eine solche Gesellschaft antreten.
Die politischen Körper bleiben gegeneinander im Naturzustand, sie verspührten die Missstände, die sie gezwungen hatten, den Naturzustand zu verlassen: Kriege zwischen Nationen, Schlachten, Mordtaten und Vergeltungsmassnahmen gingen daraus hervor.
- „An einem einzigen Kampftag wurden mehr Morde begangen, als im Naturzustand während ganzer Jahrhunderte auf der gesamten Erdoberfläche verübt worden war.“ (S. 94)
Der Gesellschaftsvertrag:
Die Frage stellt sich, inwiefern sich die Menschen freiwillig einem Herrscher unterworfen oder, ob sie den Gesellschaftsvertrag freiwillig untereinander abmachten. Rousseau ist der Meinung, dass dies nicht hatte freiwillig geschehen können. Dies sehe man bereits, wenn man betrachtet, wie sich freie Völker, die sich noch im Naturzustand oder in dessen Nähe befinden, gegen eine Unterjochung wehren.
Herrscher wurde je nachdem, wie weit sich die Menschen vom Naturzustand entfernten, ein anderer: Der Mächtigste, reichste und mit dem grössten Ansehen in der Monarchie, wenn mehrere sich gleichen und allen anderen überlegen waren, entstand die Aristokratie und diejenigen, bei denen Vermögen bzw. Begabung in einem weniger grossen Missverhältnis standen, fanden zur Demokratie. Die Magistratstellen wurden von den fähigsten, den ältesten und erfahrensten besetzt. Zuerst wurden noch, wie im Römischen Reich, Wahlen gehalten. Doch da die Wahlen, aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Magistrate, immer häufiger wurden, entstanden Parteien, die sich gegenseitig um die Wahl bekriegten, gegen das Wohl des Volks. Die Hochstehenden wussten diese Umstände auszunützen und behielten fortan ihre Ämter in der Familie: Die vererbliche Monarchie oder Diktatur entstand. Bis zur Monarchie vergingen drei Stufen: 1) Einführung des Gesetzes und Eigentumsrecht; 2) Einrichtung des Magistratetnamtes; 3) Verwandlung der rechtsmässigen Gewalt in eine willkürliche. Der Status wandelte sich von reich und arm, zu mächtig und schwach und schliesslich zu Herr und Sklave (3).

Fazit von Rousseau:
Der wilde Mensch im Naturzustand unterscheidet sich enorm von zivilisierten Menschen. Des einen Glück, ist des anderen Verzweiflung. Der Wilde sehnt sich bloss nach Freiheit und Muse. Der Zivilisierte hingegen hetzt sich ab, müht sich, schwitzt, und alles nur um noch mühsamere Beschäftigungen zu suchen. Er spart an nichts um die Ehre zu erlangen, ist stolz auf sein Sklavendasein, und spricht mit Verachtung über diejenigen, die nicht die Ehre haben, diese mit ihm zu teilen. Der Wilde müsste zuerst eine Bedeutung für die Wörter „Macht“ und „Ansehen“ erlangen, um überhaupt den Zweck solcher Sorgen zu begreifen.
Die Ungleichheit, die im Naturzustand fast gleich null war, bezieht seine Kraft und sein Wachstum aus der Entwicklung unserer Fähigkeiten und Fortschritten des menschlichen Geistes und wird schließlich durch die Einführung des Eigentums und der Gesetze rechtmäßig.
Noam Chomsky und Voltaire über Rousseau:
In seinem Essay Language and Freedom nahm Noam Chomsky Bezug auf Rousseaus Abhandlungen. Chomsky widergibt Rousseaus Auffassungen; er sagt, dass, gemäss Rousseau, die Reichen und politisch-mächtigen, ihren Mitmenschen Ordnung, Frieden und Rechte für alle versprachen. Dadurch liessen sie sich überzeugen, in der Hoffnung ihre Freiheit abzusichern, in Wahrheit aber wurden sie in Ketten gefesselt. Gesellschaft und Recht gaben den Armen neue Fesseln und den Reichen neue Kräfte; und zerstörte die natürliche Freiheit für alle Zeiten. Freiheit im Sinne von Rousseau, besitzt nur der Mensch. Dazu nimmt Chomsky den Vergleich den Rousseau Anbricht mit den Tieren: Während Tiere nur ihren Instinkten folgen können, d.h. der Natur ausgeliefert sind, kann der Mensch von dieser natürlichen Regel abweichen und frei handeln. Die Essenz der menschlichen Natur ist somit die (menschliche) Freiheit und das Bewusstsein dieser Freiheit. Freiheit ist jedem Menschen inhärent: Das sieht man, wenn jemandem die Freiheit genommen wird; Tiere, die aus ihren Käfigen ausbrechen wollen, Menschen, die sich als Sklaven gegen ihre Herrscher auflehnen. Bei dieser Logik sagt Kant, dass man zuerst frei sein muss, um dann gegen seinen Verlust der Freiheit anzukämpfen. Der moderne Mensch ist, gemäss Rousseau, nicht frei, und hat somit auch gar nicht das Vermögen, um für die Freiheit zu kämpfen.
Chomsky nimmt nun Bezug auf die Rolle der Sprache bei dem Begriff Freiheit. Wenn nur Menschen frei sind- da sie Vernunft besitzen, lässt sich dies allein durch die Sprache feststellen. Wie Descartes sagt „cogito ergo sum“, lässt sich Vernunft in einem Organismus durch die Sprache feststellen. Ideen, wie der Begriff der Freiheit, können einem Wesen nur durch die Hilfe von Wörter in den Sinn kommen. Somit können Tiere niemals zu einer Idee der Freiheit gelangen. Für Rousseau ist es somit auch unverständlich, wie der Mensch überhaupt zu solchen abstrakten Ideen wie Freiheit gelangte.
Weiter hat auch der bekannte Schriftsteller Voltaire sich über Rousseaus Diskurs geäussert, indem er diesem einen persönlichen Brief schrieb.

