Der Tod des Iwan Iljitsch – Leo Tolstoi

Abstract:

Iwan Iljitsch lebt in Russland des 19. Jahrhunderts. Er ist klug, gutaussehend und charmant. Eifrig und ehrgeizig geht er einer Beamtenkarriere in der Justiz nach. Er erreicht sein Ziel schliesslich, als er durch eine Bekanntschaft die angsehene Stelle in der Petersburger Justiz erhält, in der er 5000 Rubel verdient. Fortan ist er glücklich, bezieht mit seiner Familie eine grosse Wohnung, richtet sie penibel ein und ärgert sich, wenn etwas nicht genau so eingerichtet wird, wie er es sich wünscht. Sein Leben nimmt eine drastische Wende als er durch ein Unglück stürzt und sich an seinem vergoldeten Fensterriehmen die Schläfe stosst. Der zuerst harmlos scheinende Schmerz schwindet nicht mehr und wird noch stärker, bis er sich zu einer anhaltenden Krankheit entwickelt. Verschiedene ärtzliche Konsultationen erinnern ihn an die Arbeit im Gericht: Er weiss, dass die Anwälte lügen, doch tun sie es für einen vermeintlich anderen Zweck; er entziffert die unausdrückliche, wissenschaftliche Sprechweise der Ärzte und wird sich schliesslich bewusst, dass es um ihm schlecht steht. Je weiter seine Krankheit fortschritt und er dem Tod näher kommt, plagen ihn Gedanken über Leben und Tod.  Er fragt sich, ob er „das Wahre“ gelebt hatte, ob er ein gutes Leben führte und findet darauf keine Antwort. Sein Umfeld, seine Familie, allen voran seine Frau, lügen ihn an, indem sie ihm vorhalten, dass sein Tod nicht nahe ist, dass er, falls er die Medizin einnimmt, gesund werden kann. Er wird ihnen zur Last, trägt zu ihrem Unwohl bei und obwohl seine Frau ihm sagt, dass sie nur ihm helfen möchte, weiss er, dass sie es nur für sich selbst tut. Er beginnt, seine Frau zu hassen; sie strahlt das Gegenteil von ihm aus: Lebensfreude und Gesundheit. Sein ganzes Umfeld wird ihm fremd, ihr Lügen verstärkt seinen seelischen Schmerz. Schliesslich findet er in Gerassim, einem Diener, einen Menschen der ihn nicht täuscht. Er fühlt sich Wohl in seiner Gegenwart, Gerassim behandelt ihn normal, verschweigt den Tod und seine Krankheit nicht und ist ihm behilflich wo er nur kann. Iwan Iljitsch wird immer kränker, schaut dem Tod ins Auge und kann seine Schmerzen nur noch durch Opium lindern. Wiederum findet er sich in Fragen nach Leben und Tod wieder. Hat er sein Leben verschwendet? Hat er es richtig gelebt? Gibt es überhaupt eine Art, das Leben richtig zu leben? Er akzeptiert die priesterliche Beikunft, fühlt sich für kurze Zeit besser, akzeptiert den Tod und das Leben und sieht seine Familie mit Leid an und… stirbt.

Fazit: 

„Eine Gesellschaft die den Tod fürchtet, wird auch in ihrem Leben von der Lüge beherrscht.“

Leo Tolstois Novelle zeigt auf, wohin es führt, wenn wir uns vom Tod entfremden: Menschen lügen sich  zeitlebens an, wollen den Tod nicht als etwas Natürliches wahr haben. Ein Leben lang befassen sie sich nicht mit dem Tod, er wird aufgeschoben, bis es zu spät ist. 

Zu spät ist es in dem Sinne, indem man, durch die Entfremdung des Todes, sich auch weniger mit seinem Leben beschäftigt. Man fragt sich nicht, was ein gutes Leben ausmacht, bis man mit einem Schlag in den Todeswahn hineingeworfen wird- und es bereut, sein Leben so gelebt zu haben, wie man es gelebt hat.

Die Entfremdung des Todes und seiner Natürlichkeit nimmt immer schnellere Bahnen an: Nur wenige Menschen geraten heute noch in Kontakt mit dem Tod, i.e. mit sterbenden Menschen. Todkranke Menschen kommen in den Spital, werden von der Öffentlichkeit abgeschirmt, ihnen werden Medikamente zur Linderung eines natürlichen Vorkommens gegeben. Wir verlieren den Kontakt zum Tod und somit zum Leben. Dass Leo Tolstoi im Epilog des Buchs die Bekannten von Iwan Iljitsch nach seinem Tod völlig gleichgültig und nur auf ihre eigene Vorteile hoffend, auftreten lässt, zeigt die Ignoranz, mit der sich unsere Gesellschaft infisziert hat.