Abstract:
In einer algerischen Stadt passieren seltsame Dinge: Ratten tauchen auf und sterben in Massen auf offenen Strassen. Schliesslich werden erste Menschen krank und sterben an einer Krankheit, die bald daraufhin als die Pest verkündet wird. Fortan wird, im Stile einer Chronik, beschrieben, wie die Bürger der Stadt mit der Pest umgehen. Die Stadt und somit die Pest wird abgeriegelt, von der Aussenwelt ausgeschlossen. Die Bürger sind gefangen in ihrer eigenen Stadt, einige, die davor aus der Stadt verreisten können nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren. Am schlimmsten ist es jedoch für die Fremden der Stadt: Menschen, die wegen eines Jobs in die Stadt kamen und nun, alleine und einsam, diese nicht mehr verlassen können. Während der Arzt Rieux seinem Job nachgeht und täglich Menschen an der Pest sterben sieht, versuchen andere, wie der Journalist Rambert, aus der Stadt zu flüchten. Nochmals andere sind froh um die Pest, da somit ihre begangenen Verbrechen ins Abseits gelangen und nicht weiter verfolgt werden. Camus beschreibt wie die Menschen eine solche Krise aufnehmen: Wütend, gleichgültig, traurig, froh und stark. Schliesslich wirkt das Serum des Impfstoffs und die Pestfälle nehmen immer mehr ab. Rieux gibt sich als Chronist zu erkennen, sein Freund stirbt am Ende unglücklicherweise auch noch an der Pest und auch seine Frau, die sich während der ganzen Zeit ausserhalb der Stadt befand, um eine Krankheit auszukurieren, stirbt. Rieux nimmt das Ganze mehr oder weniger gleichgültig entgegen. Am Tag der Öffnung der Stadt dreht Cottard, der um die Pest froh war, durch und schiesst in die Menge auf offener Strasse, bevor er festgenommen wird. Die Pest hat alles und nichts verändert.
Struktur und Interpretation:
Das Buch hat die Struktur eines Dramas und kann daher als Theaterstück aufgefasst werden.
| 1. Frühling | I. Akt: Exposition → Rieux findet Ratte, Pest beginnt |
| 2. Sommer | II. Akt: Steigerung → Pest wird stärker |
| 3. Spätsommer | III. Akt: Höhepunkt → Pest erreicht ihren Höhepunkt |
| 4. Herbst | IV Akt: Retardierendes Moment → Personen sterben bzw. abfallende Handlung → Pest „fällt ab“ |
| 5. Winter | V. Akt: Auflösung/Katastrophe → zurück zur Normalität |
In Camus Buch lassen sich einige Referenzen zu seiner Philosophie des Absurden finden. Diese Existenzphilosophie besagt, dass das Leben keinen Sinn hat, sondern an sich absurd ist. In „Die Pest“ teilt Camus die Menschen in vier Gruppen auf, je nachdem wie sie mit der Pest (Der Absurdität) umgehen:
- Die Unwissenden.
- Die, die um die Absurdität und Revolte wissen.
- Die, die Revolte (Aufstand aufgrund der Absurdität des Lebens) überwunden haben und solidarisch handeln.
Die vier Phasen:
| Phase 4 | – | Universale Liebe: Rieux |
| Phase 3 | – | Haben Phase der Revolte überwunden u. sind solidarisch:Grand, Rambert, Castel |
| Phase 2 | Tod | Wissen um Absurdität und Revolte: Tarrou, Cottard |
| Phase 1 | Tod | Unwissende Personen |
Die Phase 4 kann gemäss Camus auf verschieden Arten erreicht werden: Mit physikalischen Mitteln, wie der Arzt Rieux es tut, oder mit metaphysischen, religiösen Mitteln, wie es Pater Paneloux versucht, aber scheitert. Mit seinem Handeln als Mediziner bedient sich Rieux an der Revolte und indem er sich am Ende als Chronist zu erkennen gibt (als sachlicher Zeuge), erreicht er die höchste Phase – die universale Liebe. Rieux hält schliesslich fest:
- „daß der Pestbazillus niemals ausstirbt oder verschwindet … und daß vielleicht der Tag kommen wird, an dem die Pest zum Unglück und zur Belehrung der Menschen ihre Ratten wecken und erneut aussenden wird, damit sie in einer glücklichen Stadt sterben“ (S. 366)
Fazit:
Das Buch wurde vor über 70 Jahren geschrieben und doch lassen sich erhebliche Parallelen mit der Corona-Zeit finden. Vermutlich wäre es interessanter gewesen, das Buch vor Corona zu lesen, um zu sehen, inwiefern Camus die Reaktionen der Menschen voraussah. Auch während der Corona-Zeit suchten Menschen die Schuld bei anderen, wurden verrückt, waren wütend, skeptisch, nahmen die Infektionszahlen aber irgendwann auch gleichgültig entgegen. Vielleicht zeigt eine Krise wie Corona erst die wahre Fasette der Menschen. Die Pest steht dabei symbolisch für jede menschliche Krise. Die nächste Krise steht sicherlich vor der Tür und es wird sich zeigen, in welche Phasen sich die Menschen einteilen lassen.

