Abstract:
Alexander von Humboldt (1769-1859) war ein deutscher Forschungsreisender und Naturwissenschaftler mit immensem Einfluss. Humboldt stammt aus wohlhabenden Haus und wuchs zusammen mit seinem Bruder Wilhelm auf Schloss Tegel auf. Sein Vater starb früh und seine Mutter, die wenig emotionale Nähe zeigte, war bestrebt ihren beiden Söhnen die bestmögliche Bildung zu ermöglichen. Alexander war schon früh fasziniert von Pflanzen und träumte davon die Welt zu bereisen wie er es in den Reiseberichten von damaligen Seefahrern las. Nach umfangreichender Privatbildung studierte Alexander erst Staatswissenschaftslehre, doch vernachlässigte bald dieses Studium um sich vermehrt seinen naturwissenschaftlichen Interessen zu widmen und dementsprechende Vorlesungen zu besuchen. Durch seinen unermesslichen Arbeitseifer eignete er sich bald umfangreiche Kenntnisse über sämtliche naturwissenschaftliche Disziplinen an. Nach dem Studium machte Alexander Karriere im Staatsdienst als Verantwortlicher eines Kohlebergwerks, wo er seine geologischen Kenntnisse zum Vorteil bringen konnte. Nachdem seine Mutter starb erbte die beiden Brüder Humboldt ein immenses Vermögen, was Alexander ermöglichte seinen Traum zu erfüllen: Eine Forschungsreise nach Südamerika. Er traf alle mögliche Vorkehrungen, kaufte die besten und teuersten Messinstrumente der Zeit wie ein Cyanometer zur Messung der Bläue des Himmels oder ein Barometer zur Messung des Luftdrucks. Zusammen mit seinem Forschungspartner Aimé Bonpland machte er sich 1799 schliesslich auf in das spanische Kolonialreich. Das erste Ziel war Caracas im heutigen Venezuela. Zusammen mit seinen Gefährten durchquerte Humboldt die weite Llanos-Ebene und fuhr schliesslich mit einem kleinen Boot den Orinoco hinunter um zu beweisen, dass der Fluss in den Amazonas fliesst. Nach einem Aufenthalt von mehreren Monaten gingen sie von Kuba zurück nach Neugranada in das heutige Kolumbien, bis nach Quito, dem heutigen Ecuador. Dort bestiegen sie den Chimborazo, den damals höchst-bekannten Berg der Welt. Mit sämtlichen Instrumenten und mangelhafter Ausrüstung musste die Gruppe nur kurz vor dem Gipfel in Todesgefahr die Rückkehr antreten. Humboldt war fasziniert von dem Chimborazo und fertigte danach sein berühmtes Naturgemälde an, wo er ein erstes Mal sein Naturverständnis präsentierte. Nachdem sie Peru bereisten, gingen sie für mehrere Monate nach Mexico. Auf der mehrjährigen Reise sammelte Humboldt Pflanzen, sezierte Tiere, mass die Elektrizität von Zitteraalen, fertigte Beschreibungen der Natur an, traf auf indigene Völker und sprach mit einflussreichen Naturwissenschaftler und Politiker. Über Kuba kam Humboldt nach Washington wo er den neuen Präsidenten Thomas Jefferson traf und sich mit diesem über seine Reise und Erkenntnisse austauschte. Er kehrte 1804 nach Europa zurück und begann fortan seine Erkenntnisse in verschieden Bücher zu publizieren. In den nächsten Jahren entwickelte sich Humboldt zu dem berühmtesten Wissenschaftler der Welt, er lebte in Paris und Berlin, verkehrte mit Königen, Kaisern, Revolutionären und Wissenschaftler.

Humboldt war bekannt für seinen un-unterbrechbaren Redefluss und seinem un-vergleichbarem Wissen über sämtliche naturwissenschaftliche Themen. Er war bestrebt die Welt weiter zu erforschen, doch gab er beinahe sein gesamtes Vermögen für die Südamerika-Reise und seine Publikationen aus. Zudem war er bekannt dafür, junge Wissenschaftler und Forschungsreisende zu unterstützen, obwohl ihm selbst bereits das Geld knapp war. Nach langer Zeit wurde es Humboldt schliesslich möglich im Alter von beinahe 60 Jahren Russland zu bereisen, wo er seine Erkenntnisse von Südamerika vergleichen und sein Naturverständnis vervollständigen konnte. Humboldt wurde fast 90 Jahre alt und widmete seine letzten Jahre dem Schreiben seines Hauptwerk; dem Kosmos, indem er sämtliches Wissen und all seine Ideen über die Welt und das Universum sammelte.
Humboldts Einfluss:
Charles Darwin:
Charles Darwin entstammte einer reichen englischen Familie und begann ein Medizinstudium in Edinburgh. Nachdem dem Vater auffiel, dass dem jungen Charles das Studium schwer viel, schlug er vor er solle Theologie studieren, was Darwin fortan auch tat in Cambridge. Doch schon früh interessierte er sich für die Reiseberichte Humboldts, las seinen Kosmos mehr als die Bibel und träumte davon, die Welt wie Humboldt zu erkunden. Nachdem ein Kapitän nach jungen Wissenschaftler suchte, die in auf die Reise nach Patagonien und Feuerland auf der HMS Beagle begleiteten, konnte Darwin seinen Vater überzeugen, die Reise zu finanzieren, in Anbetracht dass er zu dieser Zeit seine eigentlichen Studien schon längst vernachlässigte. Darwin machte sich mit den Büchern von Humboldt im Gepäck auf nach Südamerika; auf eine Reise, die die Welt verändern sollte. Während die Mannschaft kartographische Messungen an der Küste Südamerikas vornahm, sammelte Darwin alle möglichen Tiere und Pflanzen, sezierte, organisierte und dokumentierte an Bord der HMS Beagle. Nach vier Jahren Reise kehrte Darwin zurück nach Europa, er liess seine theologische Vergangenheit hinter sich und widmete sich fortan der Aufarbeitung dieser Reise. Sein erster Reisebericht Voyage of the Beagle wurde von Humboldt gelesen und weitgehend mit Darwin diskutiert. Humboldt übernahm gar eine Reise nach England, wo der junge Darwin sein Vorbild treffen konnte. 20 Jahre später hatte Charles Darwin sein Werk genug ausgearbeitet, und genügend Beweise gesammelt, um ein revolutionäres Buch über die Evolutionstheorie zu veröffentlichen: Über die Entstehung der Arten.
Henry David Thoreau:
Henry David Thoreau war ein hochintelligenter Schriftsteller und amerikanischer Philosoph. Er studierte an der Harvard Universität, bevor er sich in den Wald am Walden Pond zurückzog. Dort lebte er ein einfaches Leben in Einsamkeit; er widmete sich der Natur, den Lektüren Humboldts, die ihn immens inspirierten, und verbrach viel Zeit mit dem Schreiben eines Buchs. Thoreau wurde immer mehr Gegner der klassischen Wissenschaft und sagte: „Was für eine Wissenschaft war das, die den Verstand bereicherte, aber die Phantasie verarmt?“ Auch Humboldt schrieb in seinem Kosmos, dass die Natur mit wissenschaftlicher Genauigkeit beschrieben werden muss, aber ohne dass ihr darum der belebende Hauch der Einbildungskraft entzogen bleibt.“ Thoreau sah, dass in der Natur alles seinen Platz hat und alles einen Sinn ergibt. Seine Naturbeobachtungen wurden das Rohmaterial für das Buch, indem er ein einfaches Leben am See propagiert und auch Themen der Wirtschaft und Gesellschaft anspricht. Walden erschien 1854 und wurde zum Klassiker der alternativen Lebensweisen.
Weitere:
Neben Thoreau und Darwin übte Humboldt auch Einfluss auf den Universalgelehrten Aldous Huxley, den Botschafter, Schriftsteller und Naturschützer George Perkins Marsh, Zoologe und Künstler Ernst Haeckel, Naturschützer John Muir; nebst all den berühmten Politiker wie Thomas Jefferson, James Madison und allen voran Friedrich Wilhelm III.


