Über die Wichtigkeit der (Selbst)reflexion, des Schreibens und des Denkens

Reflexion, Schreiben und Denken. Diese drei Begriffe stehen eng verknüpft in einer Beziehung, die wiederum grosse Auswirkung auf die Lebensgestaltung haben. Hierbei möchte ich einige Gedanken zu diesen Begriffen anführen.

Reflexion und Denken

Was ist Reflexion? Reflexion hat zwei Bedeutungen; neben der Bedeutung als das Zurückwerfen von Licht in der Physik soll es hier um die Bedeutung gehen, die das Nachdenken betrifft. Die Selbstreflexion ist das Nachdenken über sich selbst. Es handelt sich um ein Nachdenken über die eigenen Handlungen, deren Intentionen und über Gedanken selbst.

Wozu dient Selbstreflexion? Selbstreflexion soll, kurz gesagt, dazu führen, dass man sich selbst besser kennenlernt. Durch Kontemplation über vergangene Handlungen und Intentionen wird man sich klar darüber, wann man glücklich oder traurig war, was dich glücklich oder traurig macht, wann und weshalb man konzentriert war. Aber auch was man vom Leben will, ob man gerade auf dem richtigen Weg zu seinen Lebenszielen ist oder nicht, all dazu kann Selbstreflexion führen. Selbstreflexion ist eine Art zu Denken, ein Nachdenken über das Denken. Es ist ein fokussiertes, bewusstes Denken. Den grössten Teil vom Tag wird von unbewusstem Denken geleitet, x sagt, dass der Durchschnittsmensch nur 7 Sekunden lang fokussiert und bewusst Nachdenken kann. Das liegt daran, dass fokussiertes Denken an sich anstrengend ist, was es aber gleichzeitig ausserordentlich bereichend für den Geist macht (vgl. Flow-State). Schliesslich ist es das, was den Menschen ausmacht, das, wofür der Mensch geschaffen ist: das Denken. Wer nicht Blind durchs Leben geworfen werden und ins Chaos stürzen will, wer seinen Tag nicht durch unbewusste Kräfte leiten lassen will, muss zwingend Selbstreflexion praktizieren.

Allen voran betonte Kant wie wichtig es ist sich seines Verstandes zu bedienen. Seiner Parole der Aufklärung „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu verdienen“ ist beinahe jeder Mensch schon einmal begegnet. Für ihn war dies von Wichtigkeit, da der Mensch durch das selbstständige Denken (d.h. indem man sich seinem eigenen Verstand bedient, ohne durch jemand anderes geleitet zu werden), frei sein kann. Kant schrieb, dass Feigheit und Faulheit zu Denken der Grund sind, warum die meisten Menschen ihr Leben lang unmündig (und somit unfrei) bleiben, obwohl sie von der Natur aus frei [gesprochen] sind. Dies ist gleichfalls der Grund, warum es einige wenige (Denkende) so einfach haben, sich zum Vormund von den Nicht-Denkenden zu machen. Kants Worte werden jeden Leser schaudern, da man sich bewusst wird, dass man tatsächlich kaum denkt und sich sein Leben lang von fremden Mächten leiten liess.

Das Schreiben:

Die Frage stellt sich also wie Selbstreflexion in der Praxis angewendet werden soll. Hierbei kommt der Begriff des Schreibens ins Spiel. Denn wie bereits erwähnt, ist das bewusste Nachdenken über das Denken eine anspruchsvolle Angelegenheit, doch das Schreiben kann dabei helfen. Durch Aufschreiben von Gedanken bleibt man bei einem Gedanken, man wird nicht abgelenkt durch etwailige Sinneseindrücke die einem vor die Nase fliegen. Durch das Schreiben wird man sich zufälligen Abdriftungen bewusst, da der Stift stehen und der Satz unvollendet bleibt; etwas, was bei einfachem Nachdenken oft nicht bemerkt wird. Sicherlich empfiehlt es sich, täglich ca. 30min schreibende Selbstreflexion zu praktizieren. Täglich Reflexion könnte u.a. Fragen wie diese beantworten:

  • Wie fühlte ich mich heute? Weshalb?
  • Hab ich heute meine Pflichten erfüllt und bin ich meinen Zielen nähergekommen? Weshalb (nicht)?
  • Was muss ich ändern?

Weiterführende Gedanken zum Denken: https://www.philophil.ch/blog/wie-soll-ich-denken