Zwei Dinge kann man von diesem Buch mitnehmen, und sie können in zwei Zitaten von Nietzsche und Dostojewski am besten ausgedrückt werden.
Der Wille zum Sinn:
„Wer ein Warum hat zum Leben, erträgt fast jedes Wie.“ (Friedrich Nietzsche)
Frankl schreibt in seinem Buch die Wichtigkeit, dem eigenen Leben eine Bedeutung zu geben und welche Kraft dies verleiht. Aus all den horrenden Erfahrungen die er aus seiner Zeit im Konzentrationslager beschreibt, fragt man sich woher die Menschen den Willen hatten, weiter zu machen, weiter zu leben. Selbstmord war nicht schwierig in Konzentrationslager, er stand jedem offen. Trotzdem gab es nur wenige die sich für diese Route entschieden. Frankl schreibt, dass nicht diejenige am ehesten überlebten die am kräftigsten oder intelligentesten waren, sondern diejenigen die die beste Vorstellungskraft der Zukunft hatten; diejenigen, die noch einen Sinn in ihrem Leben hatten, die noch auf etwas hofften. So wollten einige noch ein Buch fertig schreiben, eine wissenschaftliche Entdeckung vorantreiben oder aber, wie bei Frankl selbst, wollten ihre Frau wieder sehen. Es spielte keine Rolle aus was genau das warum bestand, es musste nur stark genug sein, um das wie zu ertragen. Wer hingegen kein warum hat, der ist verloren, so wie er es auch im Konzentrationslager war. Ohne warum wird man schnell aufgeben, man wird schwach und das Leben wird unerträglich. Selbst im Konzentrationslager war es also möglich, Sinn zu finden, Dinge zu finden auf die man sich freuen kann, auf die man hoffen konnte. So beschreibt Frankl auch wie er eines Tages sich an einem wunderschönen Sonnenuntergang erfreute.
Logotherapie:
Frankl selbst sagt, dass der Wille zum Sinn (Will to meaning) das Wichtigste im Leben ist. Es ist auch das, was das Menschsein ausmacht; der Mensch ist das einzige Tier, das nach dem Sinn, nach dem Warum fragt. Viktor Frankl geht es dabei nicht um einen objektiven Sinn des Lebens. Er selbst sagt, dass der Mensch nicht fragen sollte was der Sinn des Lebens ist, sondern er soll merken, dass er es war, der fragte. Dafür gründete Frankl eine neue psychotherapeutische Strömung der Logotherapie, die genau diesen Willen zum Sinn vermitteln will, d.h. kurzum, einen Willen haben, um einen Sinn zu finden und dann diesen Sinn, diesen Zweck auch zu erfüllen. Die innere Leere, das Leben ohne Sinn, ohne den Willen zum Sinn, äussert sich in Apathie, in Langeweile, in mangelnder Initiative, in Desinteresse an der Welt. Diese Leere, diese Sinnlosigkeit kann selbst zu psychischen Erkrankungen führen. Diese Frustration der inneren Leere ist für Viktor Frankl ein Beweis des Willen zum Sinn. Woraus kann das Warum bestehen? Dies beschrieb Frankl in einem Interview:
- Creatife Values: Find meaning day by day in doing a deed or creating a work.
- Experiential Values: Experiencing something (Natur) or experiencing someone (Liebe)
- Attitudal Values: Choosing the attitude to respond to suffering.
Gewohnheit:
„Sie haben geweint und haben sich daran gewöhnt. An alles kann sich der Mensch, dieses Schwein, gewöhnen!“ und „Er ist das Geschöpf das sich an alles gewöhnt und dies ist, glaube ich, die treffendste Bezeichnung für ihn.“ (Fyodor Dostojewski)
Frankl erwähnt dieses Zitat in seinem Buch selbst und greift dabei eindrucksvoll auf seine Erfahrungen im KZ Auschwitz zurück. So schreibt er, wie er sich an tierische Zustände gewöhnte: Sie gewöhnten sich daran, 5cm neben laut schnarchenden Männer zu schlafen, an Fußmärsche in kaputten Schuhen, an Kälte, selbst an Gewalt und Schläge. Es ist wohl beinahe eine Art Abwehrmechanismus, der dem Menschen hilft mit solch schwierigen Situationen umzugehen. Noch nie ist diese Eigenschaft des Menschen so eindrücklich und überzeugen beschrieben worden wie in diesem Buch. Dies führt dazu, über die Gewohnheit zu reflektieren und aus dieser unendlich wichtigen Eigenschaft Schlüsse zu ziehen (vgl. Über Gewohnheit).
Andrew Huberman über das Buch: https://www.youtube.com/watch?v=3tHjaJK5EXU

