Über Freiheit

Einfältige Menschen wünschen sich heute vor allem eines: Geld. Es gibt unzählige Videos auf Youtube, die vermeintlich zeigen, wie man Geld verdienen kann; schnell, einfach und am besten noch passiv. Scheint der Antrieb nach Geld doch noch immer der Hauptgrund zu sein, wieso jährlich soviele ein Wirtschaftsstudium in Angriff nehmen. So spielen doch auch, trotz unmöglicher Chancen, jedes Mal wieder Hundertausende im Lotto mit, in der Hoffnung den grossen Millionencoup einzufangen. Zudem wird Geld in unserer Gesellschaft auch mit Ansehen assoziiert. Aber was treibt diese Menschen denn an, ist es das Geld an sich, das Ansehen das mit ihm kommt oder sonst etwas? Geld ist nur Mittel zum Zweck. Und der vermeintliche Zweck ist die Freiheit. Nach Geld strebende Menschen sehnen sich nach der Freiheit sich kaufen zu wollen was sie wollen, essen was sie wollen, tun was sie wollen; ja, dorthingehen wohin auch immer sie wollen. Ein perfektes Leben in Freiheit stellen sie sich so vor: Am Morgen aufzustehen, und je nach Lust und Laune tun und machen können was sie wollen. Sie wollen länger schlafen? Kein Problem, sie haben durch das Geld die Freiheit dies zu tun. Sie wollen shoppen gehen? Kein Problem, sie sind frei auszugeben was sie wollen, ohne auf das Konto zu schauen. Sie wollen eine Reise antreten? Kein Problem, das nötige Kleingeld, um dies zu tun, ist vorhanden. So muss sich Freiheit anfühlen. Der Gedanke „wenn ich doch nur im Lotto gewinnen würde, dann könnt ich tun und lassen was ich möchte, dann bin ich frei“ schwirrte einem jedem solchen Menschen schon einmal im Kopf. Je mehr Geld, desto freier der Mensch, das ist das Credo. 

Aber was, wenn ich ihnen die Hiobsbotschaft überbringe, dass sie, indem sie dem Geld hinterherrennen, nicht die Freiheit vor sich haben, sondern dass sie geradewegs auf ihre Ketten zurennen? Geld führt nicht in die Freiheit, nein. Das Streben nach Geld ist der schnellste Weg in die Sklaverei. Ja, und wenn solche Menschen auch nur für einen Moment innehalten, ihren Geist anstrengen und für kurze Zeit reflektieren, dann würden sie auch merken wie es um sie steht. Doch leider sind ihre Ketten schon so eng, ihr Gefängnis so bequem, dass sie gar nichtmehr ans Ausbrechen denken. Aber lassen sie mich erklären.

Frei im eigentlichen Sinne ist derjenige, der unabhängig von anderen Menschen ist. Frei ist derjenige der allgemein unabhängig lebt. Ich kann jetzt durch mein Alltag gehen und merke schnell, wie abhängig ich bin. 

So stehe ich doch am morgen auf, in einem Bett, an dem wohl hunderte Menschen arbeiteten, bevor es in meinem Zimmer stand. Ich esse etwas zu Morgen, in einer Schüssel, die aus Porzelan aus weiss-nicht-wo stammt, darin eine Banane die mit der Hilfe von tausenden Menschen von Panama ihren Weg bis in meine Schüssel fand. Naja, immerhin schmeckts. Ich steige in den Bus, chauffiert von einem anderen dafür ausgebildeten Menschen und mache mich auf den Weg an die Universität, die ich besuche um, natürlich, später Geld zu verdienen, um später frei zu sein!

Denn wenn ich eines Tages auf einer Insel sitze, ohne jegliche Sorge, trinke meinen Cocktail, lese mein Buch oder was auch immer ich mache, ja dann, dann bin ich frei!

Nein, Freiheit im eigentlichen Sinne ist heute nixht mehr möglich, Freiheit würde den modernen Menschen innert wenigen Tagen in den Tod treiben. 

Ja ich merke freilich, wie sehr ich gefangen bin, in meinem Alltag, in der Gesellschaft, in dieser Welt. 

Freiheit gibt es für den modernen Menschen nicht mehr. Natürlich würden wir lieber ins Gefängnis gehen, als das einzugestehen; doch dabei merken wir nicht, dass wir ja bereits in Ketten sitzen. So wurde die Bedeutung des Begriffs Freiheit gewandelt, während das Gefühl der Freiheit stehen blieb und sich nicht mitwandelte. 

Wer nach etwas strebt ist nicht frei. Wer etwas will ist nicht frei. Wer etwas braucht, dass einen anderen Menschen beansprucht, der ist nicht frei. 

Ja, der Mensch will noch immer frei sein. Und wenn wir in der Natur sind, wenn wir Musik hören, dann flackert ab und zu für einen winzigen Moment dieses Gefühl der wahren Freihei hoch, und obwohl wir in diesem Moment wissen, welch ein erfüllendes Gefühl dies ist, ist es uns unmöglich, dies mit den widerfindenden Begriffen der modernen Gesellschaft zu identifizieren, geschweige denn zu widerfinden.

ngener, noch viel unfreier, als ein Schurke im Gefängnis im Mittelalter?

Negative Freiheit bedeutet die Abwesenheit von Zwang. 

Kant glaubte an die Notwendigkeit des Glaubens an den freien Willen, damit moralisches Handlen erst überhaupt möglich gemacht wird. Dies ist jedoch nur möglich, wenn man sich seinem Verstand bedient. In seiner Schrift Was ist Aufklärung? schreibt er folgendes:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschliessung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so grosser Theil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter majorennes), dennoch gerne Zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerten.“