Über Selbstvertrauen, Eigenliebe, Narzissmus und Alter Egos

Wie hängen Selbstvertrauen und Eigenliebe zusammen, was ist Selbstbewusstsein und wann gipfelt Selbstbewusstsein in Narzissmus? In dieser Reflektion möchte ich über diese Frage nachdenken und darüber, wie Alter Egos zu mehr Selbstvertrauen führen können. Schliesslich möchte ich mit einer Selbstreflektion über mein eigenes Selbstvertrauen abschliessen.

Was ist Selbstvertrauen? Selbstvertrauen ist die Eigenschaft, dass man (wie der Name sagt) sich selbst vertraut, in einer bestimmten Situation, Handlung oder Entscheidung. Indem man sich selbst vertraut, zweifelt man nicht an sich selber, man glaubt an sich und seinen Entscheidungen. Selbstvertrauen äussert sich wiederum in Selbstbewusstsein: Wer sich selber vertraut tritt in der Regel auch selbstbewusst auf. Dies, weil er nicht an sich selbst zweifelt, weil er sich bewusst ist, wer er ist, was er macht und hinter seinen Entscheidungen und Handlungen steht. Wer wirklich selbstbewusst ist, hat nicht Angst davor, dass andere Menschen seine Handlungen hinterfragen, ihn kritisieren oder überhaupt darüber, was Menschen über ihn denken.

Unsichere Personen können zwar nicht selbstbewusst sein, sie können aber ein selbstbewusstes Auftreten haben (Man kann also Selbstbewusstsein haben, ohne selbstbewusst zu sein; dies erinnert auch an Erich Fromms Unterscheidung von Haben oder Sein). So gibt es viele Personen, die auf den ersten Blick selbstbewusst wirken, doch der Schein trügt: Hinter ihrer selbstsicheren Fassade versteckt sich ein unsicheres Ego. Menschen wie diese reden viel von sich selbst, sie stellen gekonnt in Szene und in den Mittelpunkt. Indem sie von sich selbst erzählen und sich auf den Thron stellen, gelingt es ihnen, andere Menschen zu täuschen. Viele um sie herum werden ihre Handlungen und Entscheidungen nicht hinterfragen – man nimmt automatisch an, dass sie wissen was sie tun, weil sie eben selbstbewusst wirken. Wenn sich dieses Verhalten ins grenzenlose steigert, dann spricht man von Narzissmus. Narzissten sind gekonnte Manipulatoren, sie haben die Fähigkeit, selbstbewussten zu wirken perfektioniert. Sie haben ein so unsicheres und zerbrechliches Ego, dass sie es gar nicht zulassen, dass jemand sie kritisiert. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Jedermann bereits eine narzisstische Person kennengelernt hat. Narzissten sind gut geeignet in Positionen von Ansehen und Autorität, da sie diese Eigenschaften suchen. Berühmte Narzissten sind Menschen wie Donald Trump oder Kanye West.

Ist es aber auch so, dass jede Person, die gerne über sich selbst redet und sich selbst ins Szene setzt, tatsächlich eigentlich unsicher ist? Ich denke doch, dass dies nicht gezwungenermaßen so sein muss. So kann ich mir auch Personen vorstellen, die gerne über sich selbst reden, weil sie sich selbst eben tatsächlich gern haben, – und vielleicht weil sie andere Menschen inspirieren möchten. Im Gegensatz zu selbstbewusst wirkenden Personen sind solche Personen fähig, kritisiert zu werden, sie sind selbstreflektiert und wissen auch um den Zeitpunkt, an dem sie selbst genug über sich gesprochen haben und andere sprechen lassen müssen.

Wie erkennt man demnach eine Person, die tatsächlich selbstbewusst ist? Eine Person, die selbstbewusst ist, muss sich selbst nicht in Szene setzen. Sie wird nicht das ständige Verlangen haben, über sich selbst zu reden. Sie beobachtet, hört zu, stellt Fragen und ist offen. Sie hat aber auch kein Problem damit, über sich selbst zu reden, wenn sie danach gefragt wird. Sie hat kein Problem damit, Kritik anzuhören, ist sogar offen dafür (weil sie sich nicht verletzt fühlt, sondern merkt, dass es eine Chance ist, als Person zu wachsen). Weiterhin hat sie ein selbstbewusstes Auftreten, insofern sie nicht unsicher wird im Austausch mit anderen Personen, auch solchen, die sie noch nicht kennt – egal ob es über allgemeine Themen, oder über sie selbst geht.

Wie wird man selbstbewusst? Das heisst nicht, wie kommt man zu einem selbstbewussten Auftreten, sondern wie kann man tatsächlich selbstbewusst sein? Wie das Wort [selbst-bewusst] vermuten lässt, hat das ganze in erster Linie damit zu tun, zu wissen wer man ist. Das heisst, welche positiven und negativen Charaktereigenschaften hat man selbst, wie pflegt man in verschiedenen Situationen zu reagieren, welche Ziel verfolgt man im Leben und weshalb, welche Werte vertritt man etc.. Herausfinden, wer man selbst ist, ist der erste Schritt zu wahrem Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein und dieser findet vor allem über Selbstreflektion statt (vgl. über die Wichtigkeit der Selbstreflexion). Doch kann man auch häufig Selbstreflektion praktizieren und trotzdem in neue Situationen geworfen werden, in denen man nicht mit selbstsicheren Auftreten glänzt. Es lässt sich nicht über alles reflektieren: Über Situationen, die man noch nie erlebt hat, lässt sich nur erahnen wie man reagieren wird. Solchen Situationen muss man sich stellen, ohne Angst, denn an solchen Situationen kann man wachsen. In solchen Situationen also kann es vorkommen, dass man nicht selbstbewusst ist, und ich denke doch, dass dies zu akzeptieren, und sich in einer gewissen Art und Weise dieser „Angst“ stellen, ein wichtiger Schritt ist, um als Person zu wachsen. So wird – neben der Selbstreflexion – eine zweiter wichtiger Schritt zu wahrem Selbstbewusstsein ist Erfahrung: Je öfter man die gleiche Situationen erlebt, desto eher gewöhnt man sich an sie, man weiss wie man sich zu verhalten und wie man zu reagieren hat. Durch die ständige Wiederholung von bestimmten Situationen, d.h. kurz: durch Erfahrung, wird man selbstbewusst in spezifischen Situationen. Als dritte Komponente – neben der Selbstreflektion und Erfahrung – auf dem Weg zu wahrem Selbstbewusstsein, gehört die Eigenliebe.

Selbstreflektion über Selbstbewusstsein:

Wie steht es nun um mein eigenes Selbstvertrauen und mein Selbstbewusstsein?