Meine Beichte – Tolstoi

Abstract:

Tolstoi sinniert in diesem Buch über den Sinn des Lebens und den Wert des Glaubens anhand seiner eigenen Sinneswandlung. Ein Buch, von dem ich mir mehr versprach als es bot, vermutlich weil mir viele Gedanken die er beschreibt, bereits bekannt waren. Tolstoi schreibt spezifisch über den Nihilismus, darüber, dass er selbst keinen rationalen Grund für das Leben finden konnte und vor dem Selbstmord stand. Er suchte mehrere Weisen, seinem Leben einem Sinn zu geben, doch fand nie eine endgültige Lösung. So versuchte er, sich geistig zu „vervollkommnen“, d.h. sein Potenzial auszuschöpfen. Er versuchte, die Frage nach dem Sinn des Lebens einfach zu ignorieren, was scheinbar die allermeisten Menschen machten. Er erzählt die Furcht vor dem Tod, der unausweichlich kommen wird und merkt, wie sinnlos im Anblick des Tods das Leben wird. Er erzählt eine metaphorische Geschichte, in der ein Reisender hinter sich ein Drache und vor sich den Abgrund eines Brunnen hat (beidesmal der unausweichliche Tod), und doch noch Genuss findet, den Honig an einem Ast dazwischen abzuschlecken (das „süsse“ Leben). Diese Ablenkung (der Honig), die die Angst vor dem Drachen einschläfert, hat auf Tolstoi keine Wirkung mehr. Nach seiner langen Sinnessuche findet Tolstoi schliesslich zurück zu Religion und Gott und sieht den Wert des Glaubens in einem neuen Licht. Dies, weil er sein Leben zu einem einfachen wandelt, wie es Millionen von arbeitenden Menschen tun. Er betont dabei die Notwendigkeit des Glaubens für das Leben. Nichtsdestotrotz beschreibt er auch die Schattenseiten der Religion und kündigt eine Untersuchung an, die diese eliminieren sollte.

Was ich am meisten von diesem Buch mitnehmen kann, ist doch die Art und Weise wie der Mensch funktioniert. Wir haben zwar die Fähigkeit zur Vernunft und zum rationalen Denken, doch viele unserer Entscheidungen – auch grosse – passieren einfach so, und nicht nach einer reflektierten Überlegung. So schreibt Tolstoi wie ein Bekannter von dem einen auf den anderen Tag aufhörte an Gott zu glauben, als er per Zufall erblickte, dass sein Bruder sein langer Zeit nicht mehr betete. Sodann denke ich steht es auch mit dem Glauben: Wir müssen den Glauben, die Religion und Gott nicht endlos rational begründen, der Glaube hat einen intrinsischen Wert, der Millionen von Menschen – darunter viele intelligente! – ein sinnvolles bot! Man sollte nicht Angst davor haben, sich einer Religion zuzuwenden, nur weil man keine endgültigen Beweise für die Existenz Gottes hat. Wenn durch Gott und Religion einen positiven Nutzen und ein sinnvolles Leben herausspringt, dann reicht das völlig aus.

Zitate:

„Ist es nicht heute, so ist es morgen – und die Krankheiten kommen und der Tod, zu dir, zu den geliebten Menschen, die dir nahe standen, und nichts wird bleiben als Fäulnis und Würmer.“ (S. 35)

„Es ist nicht unmöglich, dass dieser Zustand der Verzweiflung den Menschen eigentümlich sei.“ (S. 41)

„Die Arbeit der wirklichen Philosophie besteht darin, diese Frage klar und deutlich aufzuwerfen. Und wenn sie an ihrem Problem hartnäckig festhält, so kann sie auf die Frage: Was bin ich und was ist die ganze Welt? nicht anders antworten als: alles und nichts! Und auf die Frage: warum? – Ich weiss nicht!“ (S. 51)

„Der Glaube ist die Kenntnis von der Bedeutung des menschlichen Lebens, eine Kenntnis, welche es zustande bringt, dass der Mensch sich nicht selbst vernichtet, sondern lebt.“ (S. 82)