Flow – Mihaly Cikszentihalyi

Abstract

Mihaly beschreibt in diesem Buch den Flow-Zustand, der nach empirischen Untersuchungen für viele Menschen als Glück erscheint. In einem Flow-Zustand vergisst man die Zeit, ist vollumgänglich konzentriert und fokussiert auf das, was man erreichen möchte. Flow-Zustände können nach Mihaly überall und immer stattfinden. Oft werden Sporttreiben, Lesen oder Musik als Flow-Aktivitäten genannt, aber selbst eintönige Arbeit kann Flow generieren: Beispielsweise ein Fliessbandmitarbeiter der versucht seinen Rekord im Zusammenbauen der Teile Tag für Tag zu verbessern und dafür in einen Flow-Zustand tritt. Neben der Beschreibung des Flow-Zustandes schreibt Mihaly über weitere Weisheiten zur Glücksforschung (die oft beinahe „Common-Sense“ sind). Um Glück zu erleben, muss man vor allem sein Bewusstsein kontrollieren können. Mihaly ist der Ansicht, das Glück komplett von den „inneren“ Zuständen abhängig ist, nämlich davon, wie man sein Bewusstsein kontrolliert. Wichtig bei der Kontrolle über das Bewusstsein ist, dass man es nicht mit zu viel Informationen füttert, da dies die Grenzen bzw. den „Aufnahmespeicher“ sprengt. Voraussetzungen für Flow-Zustände sind nehmen Bewusstseinskontrolle eine zielgerichtete und regelgeleitete Tätigkeit (wie im Fussball!). Flow-Aktivitäten werden um ihrer selbst willen getan und interessanterweise bieten selbst kriminelle Aktivitäten Flow-Zustände. So erinnere ich mich, wie ein Freund mir einst erzählte, wie er früher illegal Graffiti sprayen ging. Er beschrieb die Tätigkeit als unglaublich bereichernd: Sobald er und seine Kollegen losgingen, waren sie völlig konzentriert, sie mussten sich überall umsehen, damit sie nicht erwischt werden. Er beschrieb es als ein unglaubliches „Rush“ Gefühl – er vergas Zeit, Sorgen und alles andere und richtete seine ganze Aufmerksamkeit nur dem Akt des illegalen Sprayens. Mihaly spricht weiter das Zusammenspiel zwischen Herausforderungen und Fähigkeiten an: Er zeigt auf, dass (1), wenn man gelangweilt ist, seine Herausforderung erhöhen muss und (2), wenn man Angst hat, seine Fähigkeiten verbessern muss. Beide diese Tätigkeiten führen zu Flow-Zuständen und zu Wachstum der Person.

Voraussetzungen für Flow-Zustand:

  • Bewusstseinskontrolle
  • Ziel und regelgeleitete Tätigkeit
  • Gesellschaftliche Voraussetzungen (Ablenkung, Freizeitangebot)
  • Individuelle Voraussetzungen (Egozentrik: Eine Blume ist keinen zweiten Blick wert, ausser man kann sie zu etwas benutzen; Schüchternheit; Entfremdung)
  • Genetik und Sozialisierung
  • Kontrolle über Körper, Kultivierung der Sinne (Sehen wie ein Künstler, Konzentration auf Musik, Wissen, was man isst.)

Reflexion:

  • Wie steht es um meine eigene Bewusstseinskontrolle?
  • Welche Aktivitäten in meinem Leben bieten Flow-Zustände?
  • Welchen Herausforderungen stelle ich mir? Sind sie genug hoch oder langweile ich mich?

Zitate:

„Das Problem entsteht erst, wenn man sich so sehr auf das Ziel, das man erreichen möchte, versteift, dass einem die Gegenwart keine Freude mehr bereitet.“ (S. 29)

Über zukunftsorientiertes Denken:

„Wir wachsen mit der Überzeugung auf, dass zukünftige Ereignisse im Leben am wichtigsten sind. Eltern bringen Kindern bei, dass es ihnen als Erwachsenen besser ergeht, wenn sie früh gute Manieren lernen. (…) Der Vizepräsident einer Firma sagt zu den jüngeren Angestellten, sie sollten geduldig sein und fleissig arbeiten, weil irgenwann einer von ihnen aufsteigen wird. Am ende des langen Strebens nach Aufstieg winken die goldenen Jahre der Pensionierung.“ – „Wir stehen immer kurz davor zu leben, aber wir leben nie.“ – Ralph Waldo Emerson. (S. 38)

Über Bewusstseinskontrolle (=Flow):

„Das Kennzeichen eines Menschen mit Kontrolle über sein Bewusstsein ist seine Fähigkeit, Aufmerksamkeit willentlich auf etwas zu richten, sich nicht ablenken zu lassen und sich so lange zu konzentriere, bis eine Aufgabe erledigt ist und nicht länger.“

Über das Reisen:

„Nach Acapulco verreisen ist schön, weil die Neuartigkeit unsere Sinne belebt, die von der immer gleichen Routine des Alltagslebens abgestumpft wurden, und weil wir wissen, dass die „Reichen und Glücklichen“ auf diese Weise ihre Zeit verbringen.“ (S. 82)

Solhenyizin über Flow im Gulag:

„Manchmal in einer Schlange gebeugter Gefangener, unter den Rufen der Wachen mit ihren Maschinengewehren, spürte ich einen solchen Ansturm von Rhythmen und Bildern, dass ich über ihren zu schweben schien… in solchen Momenten war ich zugleich frei und glücklich… manche Gefangene versuchten zu entkommen, indem sie sich durch den Stacheldraht warfen. Für mich gab es keinen Stacheldraht. Beim Appell stimmte zwar die Zahl, aber ich war weit fort auf einem fernen Flug.“ (S. 151)

Über das Erinnern als Flow-Zustand:

„Jemand, der sich an Geschichten, Gedichte, Liedtexte, Fussballstatistiken, chemische Formeln, mathematische Operationen, historische Daten, biblische Verse und kluge Zitate erinnern kann, hat Vorteile gegenüber jenen, die diese Fähigkeit nie entwickelt haben.“ (S. 195)

Über die Wichtigkeit des Schreibens:

„Es ermöglicht einem, Ereignisse und Erfahrungen aufzuzeichnen, damit man sich leicht an sie erinnern und in der Zukunft noch einmal durchleben kann. Man kann so Erfahrungen analysieren und begreifen und mittel dieser Selbstkommunikation einordnen.“ (S. 207)

Über die Freizeitindustrie:

„Wenn man nicht die Kontrolle über Arbeit und Freizeit übernimmt, werden beide nur enttäuschen. Die meisten Berufe und viele Freizeitaktivitäten- besonders jene, bei denen man passiv ein Massenmedium konsumiert – sind nicht danach ausgelegt, uns glücklich und stark zu machen.“ (S. 253)

Über Freundschaft und Offenheit:

„Man braucht nicht nur gemeinsame Ziele und gegenseitiges Feedback, denn das verschaffen einem auch Interaktionen bei Cocktailpartys. Man muss darüber hinaus in der Gesellschaft des anderen neue Herausforderungen finden. Das bedeutet vielleicht einfach nur, mehr über den Freund zu erfahren, neue Facetten seiner oder ihrer Persönlichkeit zu entdecken und mehr vom eigenen Selbst bei diesem Prozess preisgeben. Nur wenige Dinge sind so erfreulich, wie wenn man einem anderen Menschen seine geheimsten Gefühle und Gedanken ohne Verlegenheit preisgibt.“ (S. 289)